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Pfrunger-Burgweiler- Ried

Allgemein:
Das
Pfrunger-Burgweiler-Ried
ist mit einer Ausdehnung von ca. 2600 ha Moorzone (davon ca. 160 ha
Hochmoorfläche) das zweitgrößte zusammenhängende Moorgebiet Oberschwabens. Das
Pfrunger-Burgweiler-Ried
eine Entstehung einer Seitenzunge des Rheintalgletschers. Vor 12000 Jahren wurde
eine Endmoräne bei Ostrach (Würm I) und später eine zweite bei Wilhelmsdorf (Würm
II) abgelegt. Dazwischen bildete sich ein Ursee.
Torf entsteht auch heute noch, aus abgestorbenen, organischen Teilen, die
infolge von Sauerstoffmangel am Seegrund nicht zersetzt werden. Eine sogenannte
Inkohlung tritt statt dessen auf.
Das
Pfrunger-Burgweiler-Ried
ist ca. 9 km lang und 3 km breit, seine mittlere Höhenlage beträgt 610 m. Die
mittlere Jahrestemperatur beträgt im Ried 6,3 °C, die mittlere Temperatur in der
Vegetationsperiode von Mai bis Juli 14 °C. Als Jahresniederschlag wurden 990 mm
ermittelt. Dieser Wert sowie der Wasserbilanzquotient liegt an der unteren
Grenze, der für den Aufbau von Hochmoorwachstum notwendig ist. Somit reagiert
das Ried außerordentlich empfindlich auf Entwässerung etwa durch den Tiefenbach
oder den Hornbach. Wiedervernässungen durch Grabenverschluss und Dammbauten sind
weiterhin erforderlich.
Die ersten Angaben zur Nutzung des Rieds stammt
aus dem 14. Jahrhundert. Berichtet wird von gemeinschaftlicher Weidewirtschaft
(Allmende) und Holznutzung. Um ca. 1820 kam bäuerlicher Handtorfstich auf. 1857
begann im Gebiet des Kleinen Trauben der industrielle Torfabbau. 1996 endet die
Konzession zum Torfabbau und somit gibt es keinen Torfabbau im
Pfrunger-Burgweiler-Ried
mehr. Erst um 1950 ist es zum Niedergang der extensiven Landnutzung gekommen
und durch eine großangelegte Entwässerung wurde das Moorland in
Hochleistungsgrünland überführt. Das es überhaupt noch ein Stück Hochmoorfläche
gibt, liegt an dem Geschlecht Fürstenberg, welches das Hochmoor mit dem
umgebenen Birkenbruchwald erhalten hat, um Birkwild zu jagen. Das Birkwild
selbst ist seit 1966 im
Pfrunger-Burgweiler-Ried
Pfrunger Ried ausgestorben. Aus Aufzeichnungen wissen wir, dass auch andere
Tierarten wie Fischotter, Luchs, Wildkatze, Biber, Wolf, Bär und Rotwild in
diesem Gebiet heimisch waren.
Es werden verschiedene Vegetationsbereiche unterschieden: Das Niedermoor setzt
sich überwiegend aus Seegen- und Schilfgemeinschaften zusammen. Das
Hangquellmoor wie an der Laubbacher Mühle wird durch kalkhaltiges Wasser
gespeist. Der Bruchwald wird hauptsächlich durch Moorbirken besiedelt. Beim
Zwischenmoor sind Binsen und Wollgras die Leitpflanzen. Das ökologisch sensible
Hochmoor wird von Torfmoosen (Sphagnum) und Bergkiefern gebildet. Letztere
wuchsen in den letzten Jahren durch den starken Grundwasserspiegelrückgang
überproportional stark. Die Hochmoorbewohner brauchen den durch Huminsäure stark
gesäuerten Boden (pH 3 - 4). Wasserschlauch und Sonnentau erschließen sich durch
ihre fleischfressende Ernährung zusätzliche Energiequellen.

Wasserschlauch
© Marc
Zschaler

Sonnentau © Marianne Wiora
Flora:
Trotz massiver Artenverluste in der Vergangenheit nimmt
das
Pfrunger-Burgweiler-Ried
auch heute noch wichtige Artenschutzfunktionen. So kommen das selten gewordende
Schlanke Wollgras (Eriophorum gracile) sowie die Orchideenart Weichstendels
(Hammarbya paludosa) in den Zwischenmooren vor. Das landesweit vom Aussterben
bedrohte Alpenfettkraut
(Pinguicula alpina) findet hier ihre absolute
Westgrenze der Verbreitung.

Foto © Velten
Feurich
Der Schwalbenwurz-Enzian (Gentiana asclepiadea)
und die Mehlprimel (Primula farinosa) stehen kurz vor dem Aussterben, da sie nur
in sehr kleinen Populationen vorkommen. Der rundblättrige Sonnentau (Drosera
rotundifolia) und die Rosmarinheide

©Mehlprimel Thomas Kirschner

©
Schwalbenwurzenzian - Sabine Sell

©
Rosmarinheide-Thuleweit Werner
die im Hochmoor in Großen Trauben vorkommen, sind zwischenzeitlich stark
gefährdet. Die seit Jahrzehnten verschollene Strauchbirke (Betula humilis) wurde
jüngst wiederentdeckt. Folgende Arten sind höchstwahrscheinlich ausgestorben:
Moorsteinbrecht (Saxifraga hirculus), Sumpftragant (Swertia perennis), Weisses
Breitköpfchen (Platanthera bifolia), die Orchideen Sommer-Drehwurz (Spiranthes
aestivalis) und Torf-Glanzkraut (Liparis loeselii) sowie der Langblättrige
Sonnentau (Drosera anglica). Der Echte Sumpfwurz (Epipactis palustris),
Breitblättriges Wollgras (Eriophorum latifolium), Simsenlilie (Tofiedia
calyculata), die Orchidee Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea) und
Zungen-Hahnenfuß (Ranunculus lingua) wurden letztmalig in den 60er Jahren
angetroffen und gelten als verschollen.
|
Bestand |
Gesamt |
Vom Aussterben bedroht
Rote Liste 1 |
Stark gefährdet
Rote Liste 2 |
Gefährdet
Rote Liste 3 |
Potenziell gefährdet
Rote Liste 4 |
|
Pflanzen inkl. Pilze |
661 Arten |
3 Arten |
17 Arten |
59 Arten |
- |
|
Säugetiere |
38 Arten |
|
10 Arten |
6 Arten |
- |
|
Vögel |
93 Arten brütend
und
28 Arten regelmäßige Gäste
55 Arten seltene bzw. unregelmäßiger Durchzügler |
2 Arten |
6 Arten |
9 Arten |
7 Arten |
|
Reptilien |
6 Arten |
1 Art |
1 Art |
1 Art |
1 Art |
|
Amphibien |
10 Arten |
1 Art |
2 Arten |
2 Arten |
2 Arten |
|
Fische |
16 Arten |
- |
3 Arten |
- |
- |
|
Weichtiere |
18 Wasserschneckenarten
13 Landschneckenarten
5 Muschelnarten |
|
|
|
|
|
Libellen |
44 Arten |
2 Arten |
6 Arten |
10 Arten |
- |
|
Schmetterlinge |
212 Arten |
2 Arten |
5 Arten |
12 Arten |
15 Arten |
|
Heuschrecken |
24 Arten |
- |
2 Arten |
- |
- |
|
Käfer |
195 Arten |
1 Art |
- |
3 Arten |
- |
|
Sonstige Insekten |
119Arten |
- |
- |
1 Art |
- |
|
Spinnentiere |
69 Arten |
- |
1 Art |
- |
- |
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