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Die Hierarchie
der Engel
Neun Chöre der Engel
Wie es bei den Menschen Unterschiede in der Hautfarbe gibt, so gibt es
Unterschiede zwischen den Engeln. Die Engel werden neun Chören zugeteilt.
Während alle Menschen gleichwertig sind, egal welche Hautfarbe sie haben, so
gibt es bei den Engel Abstufungen.

Die Einteilung der Engel in neun Chöre geht auf Pseudo Dionysius Areopagit
zurück. Pseudo Dionysius beruft sich dabei auf die Heilige Schrift. Auf
verschiedene Schriftstellen baut er sein Gedankengebäude auf. So sieht er unter
anderem im
Kolosserbrief einen Hinweis auf verschiedene Chöre. Dort heißt es:
„Denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und
das Unsichtbare, Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten; alles ist durch
ihn und auf ihn hin geschaffen." (Kol 1, 16). Weitere Hinweise lassen sich in
folgenden Stellen finden: Gen 3, 24; Jes 6, 2ff; Röm 8, 38f; Eph 1, 21; Eph 3,
10; 1 Thess 4, 16). So gibt es nach Pseudo Dionysius die Seraphim, Cherubim,
Throne, Herrschaften, Gewalten, Fürsten, Mächte, Erzengel und Engel.
Thomas von Aquin (1225-1274) übernimmt diese Einteilung und gibt ihr folgendes
Gesicht:
Die neun Chöre lassen sich in drei Hierarchien einteilen.
Die erste Hierarchie
(Seraphim (höchste Engel),
Cherubim, Throne)
Seraphim, Cherubim und
Throne gelten als Geister der Kraft im dritten Himmel. Diese höchste Gruppe ist
zuständig für die materiellen Schöpfungen des irdischen und überirdischen=
Bauherrn Gottes. Sie wecken die Begeisterung in jedem und stehen damit für die
Energie und die flammende "Leidenschaft".
Die Seraphim sind der
Widerschein höchster Gottesliebe und beten Gott ununterbrochen an. Als engste
Bindung an Gott halten Sie mit ihren Gesängen das Geschehen im Gleichgewicht.
Sie sind reine Licht- und Gedankenwesen und sollen die Menschen zum "klingen"
bringen also alles Schöne hervortragen.
Die Cherubim schenken den
Menschen Harmonie und Weisheit.Die
Cherubim bilden den Abglanz der göttlichen Weisheit.
Throne sind Geister des
Willens. Zu den Thronen gehören die Herzenskräfte des Mutes und damit verbunden
die Opferbereitschaft, mit allen inneren Kräften, den Höheren Willen in die Tat
umzusetzen. Sie helfen einem Menschen, sein Schicksal bewusst anzunehmen und
willensstark an seiner Entwicklung zu arbeiten.
Die zweite Hierarchie
Triade der mittleren
Engelchöre
(Kyriotetes, Dynam(e)is,
Exusiai)
Der zweiten
Hierarchie werden die Herrschaften, Gewalten und Fürsten zugeteilt. Diese drei
Chöre bauen die Herrschaft Gottes im Universum auf. Die mittleren Engelchöre
geben aller irdischen Schöpfung die lebendige Gestalt und Form und falls sich
diese Weisen zurückziehen, fallen sämtliche Formen in sich zusammen. Das
Kosmisch-Seelische dieser Hierarchie veranlagt zugleich im Menschen das
Ätherische und ergründetden Gefühlsorganismus. Sie sind Dominationes,
Herrschaften, Weltenlenker, Geister der Weisheit,Virtutes, Mächte, Tugenden,
Weltenkräfte, Geister der Bewegung. Die erste Gruppe soll das Göttliche in uns
erwecken und den Glauben an den Herrn stärken.Die Kyriotetes sorgen als
Weltenlenker und Geister der Weisheit für die richtige Anordnung der göttlichen
Pläne im Kosmos, Planetenstellungen usw. Sie schenken die inspirierende Kraft,
gegen Begierde und Mangel zu kämpfen. Die letzte Gruppe schenkt den Menschen
einen Teil von sich,damit wird für jeden einzelnen Menschen die Grundlage einer
selbständigen Entwicklung in Freiheit und Eigenverantwortung geschaffen.
Thomas
führt hier ein mittelalterliches Beispiel an, um deren Aufgabe zu verdeutlichen.
Die Chöre der zweiten Hierarchie vergleicht er mit den Fürsten, die die Länder
des Königs verwalten. Ebenso sind diese drei Chöre Verwalter (Fürsten) Gottes.
Die dritte Hierarchie
Triade der unteren drei
Engelchöre
(Archai, Erzengel, Engel)
Der dritten Hierarchie
werden die Mächte ( Archai ), Erzengel und Engel zugeordnet. Dieser Chor ist für
den Dienst am Menschen zuständig. Die Engel sind unmittelbar mit unserer Obhut
vertraut (vgl. Kap. 10. 1)
Sie sind die eigentlichen "Boten Gottes" zwischen der Gottheit und uns
Menschen. Die Angolos sind als Begleiter der Seele mit uns Menschen eng
verbunden. Diese drei Engelgruppen existieren im ersten Himmel, dessen Grenze
von der Erde aus gesehen der Tierkreis ist: jener Zodiak, durch den ein Mensch
bei seiner Zeugung und seiner Geburt an der für ihn passenden Stelle in die
physische Welt eintritt. Die drei Engelchöre der dritten Hierarchie entfalten
sich und agieren im Hintergrund der Gedankenwelt. Sie wirken vor allem auf der
Ebene unseres Gedächtnisses. Daher sind diese Kräfte eng mit dem Menschen
verbunden. Ihre Energieströmungen sind für unsere Empfindungen und Gedanken am
ehesten zu erreichen. Während der Erdentstehung haben die Engel der untersten
drei Chöre vor langer Zeit menschenähnliche Empfindungen durchlebt. Daher sind
sie uns von allen Engelhierarchien so nahe und haben für unsere Gedanken und
Gefühle Verständnis. Ihre Engelsgeduld mit unserer Entwicklung basiert aber wohl
eher auf ihrer Verbundenheit mit dem göttlichen und dem damit einhergehenden
raum- und zeitlosen Zustand ihrer Daseinsform. Jeder der untersten drei Chöre
hat eine andere Aufgabe zu bewältigen: Die Archai sind für die gesamte
Menschheit zuständig, die Erzengel für die einzelnen Völker und die Engel für
den einzelnen Menschen.

Diese Einteilung in neun Chöre ist keine Glaubenswahrheit. Sie ist eine
theologische Meinung. Daher ist es nicht verwunderlich, dass zum Beispiel bei
Hildegard von Bingen eine andere Einteilung zu finden ist. Auch sie geht von
neun Chören und drei Gruppierungen aus. Sie teilt der ersten Gruppe nur zwei,
der zweiten fünf und der dritten wieder zwei Chöre zu. Sie hat nicht ein Schema
von 3*3, sondern von 2-5-2. Nach Hildegard bilden die äußeren Reihen eine
Kranzform um den einen mittleren Fünfer-Kranz. Die zwei zweier Gruppen stehen
zum einen im Dienst des Leibes und zum anderen der Seele. Die restlichen fünf
Chöre stehen für die fünf Sinne. Somit stellt Hildegard nicht nur eine neue
geistreiche Variante dar, sondern gibt der Engelwelt auch eine neue Ausrichtung
und Sinngebung.

Während Pseudo Dionysius und Thomas von Aquin die Chöre der Engel in rationalen
Exkursen ausmalen, so erscheint bei Hildegard in einem Augenblick das ganze Bild
in lebendiger Fülle.

Der 10. Chor: Die
abgefallenen Engel (Die Teufel)
Bei den abgefallenen Engeln handelt es sich um Engel, die meinten, sei könnten
so sein wie Gott. Gott unterwarf die Engel einer sittlichen Prüfung. Die guten
Engel gingen daraufhin in die Seligkeit des Himmels ein, sozusagen als
Belohnung. Die bösen Engel verfielen der ewigen Verdammnis (vgl. 2 Petr, 2, 4).
Das 4. Laterankonzil (1215) lehrt, dass der Teufel und die anderen Dämonen von
Gott ihrer Natur nach gut geschaffen, aber durch sich selbst böse wurden
Im ersten Johannesbrief steht über den Teufel geschrieben: „Wer die Sünde tut,
stammt vom Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang an. Der Sohn Gottes aber
ist erschienen, um die Werke des Teufels zu zerstören." (1 Joh 3, 8).
Das
Johannesevangelium berichtet, wen Jesus zu den falschen Kindern Abrahams zählt:
„Ihr habt den Teufel zum Vater, und ihr wollt das tun, wonach es euren Vater
verlangt. Er war ein Mörder von Anfang an. Und er steht nicht in der Wahrheit;
denn es ist keine Wahrheit in ihm. Wenn er lügt, sagt er das, was aus ihm selbst
kommt; denn er ist ein Lügner und ist der Vater der Lüge." (Joh 8, 44).
Der Teufel will so sein wie Gott. Er ist aber ein großer Lügner. Da der Teufel
ist als abgefallener Engel ein Geschöpf Gottes, daher ist seine Macht begrenzt
und nicht unendlich. Der Teufel möchte zwar den Aufbau des Reiches Gottes durch
seine Lügen verhindern und sein Reich aufbauen. Doch damit wird er scheitern.
Gott lässt das Tun des Teufels zu. Die Frage, warum es Gott zulässt, ist ein
großes Geheimnis. Dadurch dürfen wir uns nicht beunruhigen lassen. Denn so
schreibt der Apostel Paulus an die Römer: „Wir wissen, dass Gott bei denen, die
ihn lieben, alles zum Guten führt, bei denen, die nach seinem ewigen Plan
berufen sind;" (Röm 8, 28).
Der hl. Bernhard von Clairveaux gibt einen guten Rat in dem Umgang mit dem
Teufel. Er sagt: „Den Teufel über all zu sehen, ist ein Irrtum; Ihn nirgendwo zu
sehen, ist noch ein größerer Fehler!"
Und über die Macht des Teufels über unsere Seele, äußert Pater Pio: „Bedenke,
dass der Teufel nur eine Tür zum Eintritt in unserer Seele hat: den Willen.
Geheime und verborgene Türen gibt es nicht."

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