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Der Februar und das Schaltjahr
Ein paar unscheinbare Zahlen
hinter dem Komma haben unseren Kalender durcheinander gebracht. Weil die Erde
exakt 365 Tage, fünf Stunden, 48 Minuten und 46 Sekunden braucht, um die Sonne
zu umkreisen, hat schon Gaius Julius Caesar einen Schalttag eingeführt. Doch die
kleine Veränderung hatte gravierende Folgen.
Bis
dahin galt der Julianische Kalender, eingeführt von Gaius Julius Caesar, der den
altrömischen Kalender reformiert hatte.
Weil ein Jahr im Durchschnitt rund 365,25 Tage hat, führte er alle vier Jahre
ein Schaltjahr mit 366 Tagen ein. Damit entsprach ein Jahr fast einem
Sonnenjahr. Leider aber nur fast: Genau genommen hat ein Jahr nämlich
365,24219878 Tage und damit etwas weniger als Caesars Kalender. Der Schalttag
verlängerte das Jahr also um
exakt elf Minuten und 13 Sekunden

Dieser
kleine, aber feine Unterschied hatte gravierende Auswirkungen: Bis ins 16.
Jahrhundert hatte sich der Kalender deshalb um zehn Tage verschoben. Hatte das
Konzil von Nicäa im Jahr 325 die Tag-und-Nacht-Gleiche auf den 21. März
festgelegt, fiel sie im Jahr 1582 auf den 10. März.

Doch
wer sich heute an Wetter- und Bauernregeln orientieren möchte, sollte diesen
radikalen gregorianischen Schnitt bedenken: Auch die an bestimmten Tagen
festgemachten Regeln verschoben sich durch die Reform teilweise um zehn Tage
nach vorne.

Damit sich solch eine gravierende Verschiebung im Kalender nicht allzu bald
wiederholte, führte Papst Gregor
XIII.
außerdem eine erweiterte Schaltjahrregelung ein: Einmal in hundert Jahren fällt
das Schaltjahr aus. So waren die Jahre 1700, 1800 und 1900 keine Schaltjahre

Die
unscheinbaren Zahlen hinter dem Komma forderten aber eine weitere
Ausnahmeregelung. So beschloss man, dass wiederum alle Jahre, die sowohl durch
hundert als auch durch vier teilbar sind, von der "Jahrhundertregel" ausgenommen
sind. So war das Jahr 2000 ausnahmsweise ein Schaltjahr. Mit dieser Regelung
dauert das Durchschnittsjahr nun 365,2425 Tage und damit nur noch einige
Sekunden zu lang. Somit muss erst nach knapp 3.320 Jahren wieder ein Tag aus dem
Kalender gestrichen werden

Eine
sehr Interessante Abschrift habe ich hier noch gefunden
Ein seltener
Schalttag
Zu seinen
Voraussetzungen
Der
29. Februar 2000 ist ein Tag, den es eigentlich nicht geben dürfte. Haben
wir nicht gelernt, dass der Schalttag in jedem durch vier teilbaren Jahr
stattfindet, in jedem hundertsten aber ausfällt?
In den
Jahren 1700, 1800 und 1900 gab es keinen 29. Februar. Dass wir nun diesen Tag im
Kalender haben, verdanken wir Papst Gregor
XIII.
Am 24. Februar 1582 erliess er die Bulle «Inter gravissimas» (abgedruckt im
Magnum Bullarium Romanum IV 4, S. 11 f., § 9, Nachdruck Graz 1965), darin
verfügte er: «anno vero 2000 more consueto dies bissextus intercaletur,
Februario dies 29 continente - im Jahre 2000 aber soll nach gewohnter Weise ein
Schalttag eingefügt werden, so dass der Februar 29 Tage enthält.»

Bemerkenswert ist zunächst die Zuversicht des Heiligen Vaters, dass dieser Tag
überhaupt stattfinden würde, da man doch an das nahe Weltende glaubte und es in
protestantischen Kreisen wieder einmal für 1566 erwartet hatte. Der Papst zeigte
hier mehr Geduld mit dem Jüngsten Gericht als die von ihm gehassten Reformierten
- hatte er doch nach der Pariser Bluthochzeit in der Bartholomäusnacht vom 23.
zum 24. August 1572 ein Te Deum zelebrieren lassen.

Wie kam er
zu seiner Verfügung? Rom ist der Ort, wo der Kalender gemacht wird, und war
dies, seitdem Julius Cäsar das Jahr wieder in Ordnung gebracht hat.
Das
altrömische Jahr begann im März - der 1. Januar wurde durch Senatsbeschluss erst
154 v. Chr. Jahresbeginn - und hatte ursprünglich zehn Monate, wie die römischen
Zahlen in den Monatsnamen bezeugen: septem - sieben im September, octo - acht im
Oktober, novem - neun im November und decem - zehn im Dezember.
Der König
Numa soll dann im Jahre 717 v. Chr. die Monate Januar und Februar angehängt und
festgelegt haben, dass alle zwei Jahre nach dem Jahresendfest der Terminalia am
23. Februar ein Schaltmonat namens Mercedonius eingeschoben werden sollte, um
die Monate mit dem Sonnenlauf und den Jahreszeiten in Übereinstimmung zu
bringen.
Die dafür
zuständigen Priester, die Pontifices, aber unterliessen dies, wobei gemunkelt
wurde, dass die römischen Bankiers an kurzen Monaten interessiert seien, um
rascher an ihre Zinsen zu kommen.

Im Jahre 47
v. Chr. fehlten 67 Tage gegenüber dem Sonnenjahr, so dass beispielsweise das
Weinlesefest der Meditrinalia lange vor der Ernte im Kalender stand: der
11. Oktober war so weit nach vorne gerutscht, dass noch keine Traube reif war.
Um diesen
Missstand zu beheben, beauftragte Cäsar den alexandrinischen Astronomen
Sosigenes, den er während der Flitterwochen mit Kleopatra in Ägypten
kennengelernt hatte, mit der längst fälligen Kalenderreform. Sosigenes fügte
daraufhin dem Jahre 46, das bereits einen Mercedonius von 23 Tagen besaß, die
Fehltage hinzu, so dass jenes Jahr 445 Tage hatte. Zugleich erhielten die Monate
ihre heutige Tageszahl, der Februar 28.
Der damals
festgelegte vierjährliche Schalttag wurde aber nicht als 29. Februar gezählt,
sondern nach den Terminalia eingefügt und benannt nach dem folgenden Tag, das
war der 24. Februar, der Zählweise der Römer gemäß der «sechste Tag vor den
Kalenden des März». Somit hieß der Schalttag, rückwärts vom 1. März gerechnet,
der «zweimal Sechste» - bissextus, so noch im Text der Papstbulle von 1582.

Bei den
Römern galt der «dies bissextus» als Unglückstag. Als Valentinian I. im Jahre
364 am Tage zuvor zum Kaiser gewählt worden war, nahm er lieber das Risiko auf
sich, dass ihm ein anderer Prätendent zuvorkam, als am Schalttag sein Amt
anzutreten, und wartete eine bange Nacht. Augustinus überliefert, dass die Römer
das gesamte Schaltjahr als Unglück bringend betrachteten und dann auch keine
Weingärten anlegten. Ähnlichen Aberglauben bezeugt noch der Chronist Thietmar
von Merseburg ums Jahr 1000.

Der
Julianische Kalender kam dem Sonnenjahr sehr nahe, doch war er alle 129 Jahre
einen Tag zu lang, wie sich an der Verschiebung der Sonnenwenden und der
Tagundnachtgleichen erkennen liess.
Man wusste
nicht, dass der Schalttag alle hundert Jahre ausfallen muss, was aber wiederum
alle vierhundert Jahre zu unterbleiben hat. Bemerkt wurde dies zuerst durch den
Universalgelehrten Petrus Alliacus, den Kanzler der Pariser Universität, dessen
Schriften sowohl für Kolumbus als auch für Luther bedeutsam waren. Ein Ansatz
zur Kalenderreform unter Sixtus IV., der die Sixtinische Kapelle in Rom erbaute,
scheiterte, als der päpstliche Hofastronom Regiomontanus - eigentlich Johann
Müller aus Königsberg in Franken - 1476 vorzeitig starb.

Erfolg hatte
dann - wenn auch nicht sofort - die Reform Gregors
XIII.
Boncompagni. Er setzte eine Kommission ein, die im «Schweizersaal» der Villa
Mondragone bei Frascati in den Albaner Bergen tagte. Die Villa war benannt nach
dem Drachen im Wappen des Papstes und war soeben auf einem Grundstück errichtet
worden, das der Papst von dem schweizerischen Kardinal Marcus von Hohenems,
italienisch Altemps, erworben hatte.

Die
Kommission schlug die Neuregelung vor, die der Papst am 24. Februar, kaum
zufällig am Tag nach den Terminalia des Jahres 1582, verkündete. Sie sah die
Streichung von zehn überzähligen Tagen vor. Um keine größeren Kirchenfeste zu
tilgen, wurde die Zeit vom 5. bis zum 14. Oktober gewählt. Diese beiden Tage
folgten unmittelbar aufeinander - hier gibt es tatsächlich eine rechnerische
Lücke im Kalender. Die dadurch benachteiligten Heiligen, unter ihnen die 4000
Märtyrer vom 12. Oktober, mussten eben einmal aussetzen; und das eben von Papst
Paul V. zum Gedenken an den Seesieg 1571 bei Lepanto über die Türken eingeführte
Rosenkranzfest am 7. Oktober konnte in diesem Jahr nicht stattfinden.

Die Reform
wurde in den katholischen Ländern sofort, in den anderen mit Verzögerung
eingeführt.
Im Jahre
1700 geschah dies im protestantischen Deutschland, wo der 1. März auf den
18. Februar folgte.
Großbritannien übernahm den Gregorianischen Kalender 1752, Schweden 1753.
Die Russen
erhielten die neue Zeit 1918 durch Lenin,
die Griechen
1923 unter Georg
II.,
die
Türken von Kemal Pascha 1927.
Die
nichtchristliche Welt weiß inzwischen auch, dass ein Kalender eine
Gebrauchsregelung und keine Bekenntnisfrage sein sollte.

Der
29. Februar 2000 ist mithin ein Tag, den es nur alle 400 Jahre gibt. Aber auch
das ist nicht sicher, denn das dadurch geregelte Jahr ist um einige Minuten zu
lang.
Irgendwann
muss dieser Schalttag wieder einmal ausfallen, doch konnten sich die
Himmelskundigen bisher nicht darüber einigen. Der 1795 zum Direktor der Pariser
Sternwarte ernannte Joseph Lalande plädierte für das Jahr 3600, der 1877 in
Münster verstorbene Astronom Eduard Heis bereits für 3200 n. Chr. Doch haben die
Gelehrten noch einige Zeit, sich darüber klar zu werden. Sollte es gelingen,
müsste es wohl wieder in Rom geschehen, in der Ewigen Stadt.
Alexander
Demandt

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