Der Evangelist Matthäus
berichtet im Neuen Testament von der Anbetung: „Und sie sahen das Kindlein,
warfen sich
nieder, huldigten ihm, taten ihre Schätze auf und brachten ihm Gold, Weihrauch
und Myrrhe.
Was sind das
für Schätze Weihrauch und Myrrhe ?
Aus der
Kirche kennt den Weihrauch fast jeder , doch was ist Myrrhe und was sich hinter
dem "typischen Weihrauchgeruch" versteckt, wissen nur wenige.
Weihrauch
ist das getrocknete Harz des "Weihrauchbaumes" - einer kargen, buschartigen
Pflanze. Die Gewächse dieser Spezies, die zur Gattung der Burseaceen gehören
wachsen vor allem in den Trockengebieten Indiens, Arabiens und Afrikas Sie
werden in Südarabien zwei bis drei Meter hoch, während sie in Eritrea zu
stattlichen Bäumen werden. "Boswellia Sacra" heißt sie in Arabien, "Boswellia
Serrata oder Sarteri" in Indien.

Noch
heute liegt das Zentrum der Weihrauchgewinnung in der Region von Jemen und Oman
- der so genannten Weihrauchküste.
Die im
Spätherbst gebildeten 15–25 cm langen Blätter
sind befilzt und stehen weit
voneinander entfernt an den Zweigen oder als Büschel an deren Ende. Im Frühjahr
werden weiße Blüten hervorgebracht, die sich im Frühsommer zu beerenartigen
runden Steinfrüchten entwickeln.
Gewonnen
wird Weihrauch, indem die Rinde des Baumes mit einem Messer angeritzt wird. Das
austretende, noch durchsichtige Harz trocknet unter der Wüstensonne, wird fest
und weiß. Dann wird es abgeschabt - und auf den Markt getragen. Immer noch ist
Weihrauch eine kostbare Substanz - früher hat man sie sogar gegen das gleiche
Gewicht an Gold aufgewogen.
Weihrauch (Olibanum) ist ein schon uraltes Volksheilmittel

Der
römische Historiker Plinius beschrieb eine Begegnung zwischen König Salomo und
der Königin von Saba. Diese überreichte dem Gast diverse Geschenke, unter
anderem ein weißes Granulat in einer Schale. "Und was ist das?" fragte der
König, "Das wird dir den Körpergeruch und manches Wehwehchen nehmen" erwiderte
die Königin.

Verwendet
wurde Weihrauch schon immer auf zwei grundverschiedene Arten: Als Rauch - und
als Substanz selbst.
Die alten
Ägypter nutzten Weihrauch zur Herstellung von Salben zur Wundbehandlung.
Hippokrates
setzte ihn ein gegen Krankheiten der Atemwege und des Darmes.
Auch die
Ayurvedische Medizin in Indien setzte (und setzt) vor allem auf die
entzündungshemmende Wirkung. Auch die heilige Hildegard von Bingen kannte den
Weihrauch, empfahl ihn gegen Schwerhörigkeit und Ohrgeräusche.
Weiterhin
galt der Weihrauch als Schlaftrunk - und als Betäubungsmittel für
Hinrichtungskandidaten.
Der Rauch
er gilt als Abwehrmittel
gegen böse Geister und Dämonen (siehe auch die Rauhnacht).

In der
katholischen Kirche ist die Räucherung der Kirche mit Weihrauch liturgisch
vorgeschrieben (Inzensation oder Inzens). Das Aufsteigen und Ausbreiten des
Rauches symbolisiert die Entfaltung des Göttlichen. Welche
Substanzen der Rauch im Einzelnen enthält, ist bis heute nicht vollständig
bekannt. Man weiß allerdings, dass so genannte "psychoaktive Stoffe" darunter
sind - unter anderem wohl THC, das "Rauschmittel", das auch die Cannabis-Pflanze
enthält.
Als
"Medikament" besitzt Weihrauch wohl tatsächlich ein entzündungshemmendes
Potenzial. Heute empfiehlt man ihn bei zahlreichen Erkrankungen, deren Ursache
eine Entzündung ist: Bei Darmerkrankungen wie Colitis Ulcerosa oder Morbus
Crohn, bei allergischen Hauterkrankungen, Geschwüren, Furunkeln und
Schuppenflechte, bei Entzündungen der Leber oder der Bauchspeicheldrüse, bei
Fibromyalgie, bei Asthma, Mukoviszidose und Kopfschmerzen.
Bei all
diesen Einsatzgebieten beruht die Empfehlung von Weihrauch allerdings eher auf
Erfahrungen als auf "pharmakologischen Fakten" - wissenschaftliche Studien
fehlen weitgehend.
Das ist
anders bei der - begleitenden - Erkrankung von Rheuma: In zahlreichen Ländern
(in Europa nur in der Schweiz) ist Weihrauch als Medikament zur Behandlung
rheumatischer Beschwerden zugelassen. Es gibt Studien, allerdings mit
widersprüchlichen Ergebnissen. Weiterhin hat sich Weihrauch als wirksam erwiesen
als begleitende Behandlung von Hirntumoren (Glioblastomen und Astrozytomen).
Studien dazu wurden an den deutschen Uni-Kliniken in Gießen und Bochum
durchgeführt - und belegen einen günstigen Effekt. Vermutet wird, dass Weihrauch
eine abschwellende Wirkung auf das den Tumor umgebende Gewebe hat.
In
Deutschland wird Weihrauch allerdings nach wie vor hauptsächlich zum Räuchern
benutzt - und das nicht nur in der Kirche. Eine alte Tradition empfiehlt
beispielsweise den Bauern, die Ställe einmal pro Jahr (zu Weihnachten) mit
Weihrauch auszuräuchern. (siehe auch die Rauhnacht).


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