Symbol der Liebe Maiglöckchen
Maiglöckchen werden auch :
Augenkraut, Faltrianblume, Frauenträne,
In alten Kräuterbüchern heißt die Pflanze aus der Familie der Liliengewächse
noch "Lilie der Täler" ("Lily of the valley)
, Maiblume, Maililie, Maischelle, Mairöschen, Marienglöckchen, Marienträne,
Niesekraut, Springauf, Talblume und Zauke ganannt.

Die lieblichen, süß duftenden Blumen, die versteckt in schattigen Tälern zu
Beginn des Wonnemonats Mai blühen, sind Maiglöckchen . Sie sind häufig auf
Waldböden zu finden oder auch in Gärten mit Baumbestand und Hecken.
Die Verwendung von Maiglöckchen im Brautstrauß geht auf einen alten Aberglauben
zurück, der besagt, dass die Pflanze Glück und Liebe bringt. Das Grün der
Blätter symbolisiert dabei Hoffnung und das Weiß der Blüten signalisiert
Reinheit und Jungfräulichkeit.

Nach einer Legende aus Frankreich entstanden die Maiglöckchen aber aus dem Blut
eines Heiligen namens Saint Leonar d,
das er beim Kampf gegen einen schrecklichen Drachen verlor, bevor der Drache
besiegt wurde.
Aber auf alten Bildern sieht man sie auch in den Händen sterbender Märtyrer,
denn sie stehen auch für tödliches Schicksal
Eine weitere Legende besagt, dass das Maiglöckchen dort entstanden ist, wo Maria
neben dem Kreuz ihre Tränen vergoss, daher stammen die Namen "Frauen- oder
Marientränen" und deshalb gehört es zu den "Marienblumen, Marienpflanzen" und
ist christliches Symbol des Heils, der reinen Liebe.

Früher glaubte man, dass, wenn man mit Maiglöckchen das Gesicht abreibt, die
Sommersprossen verschwinden. Auf diesen Glauben beziehen sich die Anfangsverse
des Gedichts von Uhland
"Mit dem Tau der Maiglöckchen wäscht die Jungfrau ihr Gesicht, badet sie in
goldnen Locken".

Hexen besprengten ihre Altäre mit Maiglöckchenwasser, um Frieden und Glück
herbei zu rufen.
Glück sollte auch derjenige haben, der am 1. Mai Maiglöckchen bei sich trägt,
und dieses soll das ganze Jahr anhalten. In Frankreich ist es auch heute noch
Sitte, am ersten Mai auf der Straße Maiglöckchensträuße als Glücksbringer zu
verkaufen. In Frankreich heißt der erste Mai deswegen auch "jour de muguet"
(Maiglöckchentag).
Doch auch Böses sollten die "Maiblumen" bewirken: Man glaubte, die Kühe von
unliebsamen Nachbarn verhexen zu können, indem man ein Maiglöckchen unter die
Schwelle zum Stall versteckt
Als Schnupftabak noch Mode war, dienten die Stiele als Bestandteil des "Schneeberger
Schnupftabaks", der "das Gehirn reinigen" sollte.

Maiglöckchen mischt sich zum Räuchern gut mit Rose, Rainfarn und Thuja.
Dichter ließen sich zu blumigen Versen hinreißen, und auch auf Gemälden und in
zahlreichen Legenden spielt dieser bezaubernde Frühjahrsblüher eine Rolle.

In unseren Breiten soll das Maiglöckchen Ostara, der Schwester von Donar und der
Göttin des strahlenden Morgenrotes und des Frühlings, geweiht gewesen sein. Und
viele Maiglöckchen fanden ein jähes Ende im Osterfeuer, in die sie von unseren
Vorfahren zu Ehren dieser Göttin geworfen wurden.

Bereits im Mittelalter wurden aus den Blüten dieser alten
Kulturpflanze Heilmittel gegen Schlaganfall und Fallsucht hergestellt. Ihre
besonderen herzstärkenden Wirkstoffe finden auch heute noch in der Medizin
Verwendung.
Achtung
Maiglöckchen enthalten in allen Pflanzenteilen stark herzwirksame Glycoside (wie
Fingerhut), die in hoher Dosierung zum Tode führen, und Stereoidsaponine, welche
Übelkeit und Erbrechen hervorrufen.
Die Gifte werden allerdings nicht gut vom Körper aufgenommen, so dass nur die
Einnahme einer größeren Menge von Pflanzenteilen wirklich ernsthafte
Vergiftungen hervorruft. Diese Art von Giften löst sich nur sehr schwer in
Wasser auf, deswegen ist, entgegen anders lautender Behauptungen, das
Blumenwasser von Maiglöckchen nicht giftig. Dennoch sollte man es nicht
unbedingt auf einen Versuch ankommen lassen

Gedichte über das Maiglöckchen
Maientau
Auf den Wald und auf die Wiese,
Mit dem ersten Morgengrau,
Träuft ein Quell vom Paradiese,
Leiser, frischer Maientau;
Was den Mai zum Heiligtume
Jeder süßen Wonne schafft,
Schmelz der Blätter, Glanz der Blume,
Würz' und Duft, ist seine Kraft.
Wenn den Tau die Muschel trinket,
Wird in ihr ein Perlenstrauß;
Wenn er in den Eichstamm sinket,
Werden Honigbienen draus;
Wenn der Vogel auf dem Reise
Kaum damit den Schnabel netzt,
Lernet er die helle Weise,
Die den ersten Wald ergetzt.
Mit dem Tau der Maienglocken
Wascht die Jungfrau ihr Gesicht,
Badet sie die goldnen Locken,
Und sie glänzt von Himmelslicht;
Selbst ein Auge, rot geweinet,
Labt sich mit den Tropfen gern,
Bis ihm freundlich niederscheinet,
Taugetränkt, der Morgenstern.
Sink denn auch auf mich hernieder,
Balsam du für jeden Schmerz!
Netz' auch mir die Augenlider!
Tränke mir mein dürstend Herz!
Gib mir Jugend, Sangeswonne,
Himmlischer Gebilde Schau,
Stärke mir den Blick zur Sonne,
Leiser, frischer Maientau!
Ludwig Uhland (1787 - 1862)
Maiglöckchen und die Blümelein
Maiglöckchen läutet in dem Tal,
das klingt so hell und fein,
so kommt zum Reigen allzumal,
ihr lieben Blümelein!
Die Blümchen, blau und gelb und weiß
Sie kommen all herbei,
Vergißmeinnicht und Ehrenpreis
und Veilchen sind dabei.
Maiglöckchen spielt zum Tanz im Nu
und alle tanzen dann.
Der Mond sieht ihnen freundlich zu,
hat seine Freude dran.
Den Junker Reif verdroß das sehr,
Er kommt ins Tal hinein;
Maiglöckchen spielt zum Tanz nicht mehr.
Fort sind die Blümelein.
Doch kaum der Rief das Tal verläßt,
da rufet wieder schnell
Maiglöckchen auf zum Frühlingsfest
und leuchtet doppelt hell.
Nun hält's auch mich nicht mehr zu Haus
Maiglöckchen ruft auch mich.
Die Blümchen gehn zum Tanze aus,
zum Tanzen geh auch ich!
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
Maiglöckchen
Läuten kaum die Maienglocken,
leise durch den lauen Wind,
hebt ein Knabe froh erschrocken,
aus dem Grase sich geschwind.
Schüttelt in den Blütenflocken,
seine feinen blonden Locken,
schelmisch sinnend wie ein Kind.
Und nun wehen Lerchenlieder
und es schlägt die Nachtigall,
von den Bergen rauschend wieder
kommt der kühle Wasserfall.
Rings im Walde bunt Gefieder,
Frühling ist es wieder
und ein Jauchzen überall.
Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857)
Die Mainacht
Die Luft ist blau, das Tal ist grün,
die kleinen Maienglocken blühn
und Schlüsselblumen drunter;
der Wiesengrund ist schon so bunt
und malt sich täglich bunter.
Drum komme, wem der Mai gefällt,
und freue sich der schönen Welt
und Gottes Vatergüte,
die diese Pracht hervorgebracht,
den Baum und seine Blüte.
Ludwig Christoph Heinrich Hölty (1748 - 1776)
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